Frankfurts Ostend: Vom Aschenputtel zum richtig schönen Stadtteil

Kultureinrichtungen im Ostend

Das Frankfurter Ostend, das von der alten vornehmen Wohngegend am Röderbergweg oberhalb des Ostparks bis zur Großmarkthalle am Mainufer reicht, in dem der Frankfurter Zoo ebenso zuhause ist, wie die Eissporthalle oder die Alte Stadtbibliothek mit dem Literaturhaus, das Ensemble Modern, Werbeagenturen ebenso wie Filmproduktionsunternehmen und nicht zuletzt die angesagtesten Clubs Frankfurts, hat sein Gesicht und sein Image in den vergangenen zehn Jahren so schnell verändert wie kein anderer Stadtteil Frankfurts.

Mit 643,2 ha und 27.090 Einwohnern ist das Ostend ein großer Stadtteil nahe der Innenstadt. Er reicht vom Main über die Obermainanlage, die rechte Seite des Sandweges.


Postkarte aus dem Ostend 1897 - Foto: Institut für Stadtgeschichte, FFM

Das Ostend wurde bereits im 18. Jahrhundert von Frankfurter Bürgern als Standort für Gartenhäuser vor dem Allerheiligentor, dem Beginn der Hanauer Landstraße, bebaut. Nach dem Fall der Wallanlagen entstanden dort klassische Wohngebäude, die vorwiegend von jüdischen Bürgern der Stadt bezogen wurden. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verdichtete sich die Bebauung und breitete sich bis Bomheim aus. Am Röderbergweg, wo einst der Wein wuchs und auf dessen Höhe der Röderbergturm einen weiten Blick in die Mainebene gewährte, wurden die ersten Villen gebaut und der Haflauer Bahnhof (Ostbahnhof) und die Englische Gasfabrik, die die erste Industrieanlage im Ostend wurden gebaut. Später kamen der neue Zoo auf der Pfingstweide und die Ausstellungshalle des Landwirtschaftlichen Vereins in der Ostendstraße hinzu.

Unter Oberbürgermeister Franz Adickes (1890-1912) wurde auf dem Fischerfeld und dem Riederfeld der Osthafen erbaut, der 1912 eröffnet wurde.. Zu beiden Seiten der Hanauer Landstraße siedelten sich Industrie- und Handwerksbetriebe an. Die Deutschherrenbrücke wurde 1913 und der Großmarkthalle 1928 gebaut. Der Ostpark wurde in den Jahren 1907 — 1910 auf einem alten Mainarm im Riederbruch angelegt. Er war mit seinen Sportanlagen, Erholungswiesen, dem Schulgarten und dem Weiher ein beliebtes Erholungsgebiet.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden sogar Postkarten mit der Aufschrift „Aus Frankfurts schönstem Stadtteil“ verschickt. Dies bezeichnet wohl am besten das Lebensgefühl seiner Bewohner.

Zwischen 1860 und 1910 entstand das, was man später als „gutbürgerliches“ Ostend bezeichnete. Hier lebten rund 70.000 Menschen in den nach dem Schleifen der Stadtmauer entstandenen meist viergeschossigen Mietshäuser.

Seinen besonderen Charakter hatte das Ostend durch seinen hohen Anteil von über 40 Prozent der jüdischen Bevölkerung erhalten. Dies war nicht zuletzt auf den Zuzug jüdischer Mitbürger zurückzuführen, die sich in den preiswerten Wohnungen und Zimmern des Ostends niederließen. So entstand hier auch eine gute Infrastruktur mit Synagogen und Geschäften. Das jüdische Leben im Ostend endete 1941 mit den Deportationen von mehr als 10.000 Bürgern jüdischen Glaubens über die Gleisanlagen der Großmarkthalle.

Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich das Ostend erst langsam. Lange Jahre schien es von der Stadtplanung „vergessen“ gewesen zu sein.


Die Großmarkthalle mit der Sonnemannstraße

Doch heute hat unser Stadtteil diesen Abstand wett gemacht.

Hier kann man jetzt die rasante Entwicklung Frankfurts von der Industriestadt des 19. Jahrhunderts zum Dienstleistungsstandort und Standort der Wissenschaftsgesellschaft tagtäglich erleben.

Die Hanauer Landstraße ist hierfür eines der besten Beispiele. Hier, wo die Messer-Griesheim-Werke bis 1994 Gase für die Industrieproduktion hergestellt haben, hat heute der wichtigste europäische Internetknoten, der de-cix seinen Standort.

Und wo früher die großen Schaufelbagger die Schiffe mit Sand und Kies entladen haben, stehen heute Neubauten in denen die großen Werbeagenturen ihren Sitz haben oder die private Bankenuniversität steht. In wenigen Jahren wird in einem der wichtigsten Baudenkmäler Frankfurt, der 1925 von Martin Elsässer erbauten denkmalgeschützten Großmarkthalle die wichtigste Bank des europäischen Kontinents, die Europäische Zentralbank (EZB), einziehen.


Das aktuelle Modell des Entwurfs für den Neubau der EZB hinter der Großmarkthalle mit der Sonnemannstraße (links)

In der Sonnemannstraße hat die private Bankhochschule ihren Sitz, in der rund 4 000 Mitarbeiter der Banken für ihre berufliche Weiterbildung lernen, hier wurden die Gebäude für die Volkshochschule, das Hochsche Konservatorium und die Bethmannschule, ein Berufsschule erreichtet.

Und aus dem Verwaltungsgebäude der früheren Schleifmittelfabrik Naxos in der Waldschmidtstraße ist eine „Werbefabrik“ geworden, mit der Werbeagentur Hakuhodo, dem Tonstudio SPOT und der Frankfurter Filiale der PICTORION das werk GmbH. Diese „Werbefabrik“ komplettiert die Agenturenszene im Ostend mit den großen Agenturen JWT, McCann-Erickson, Ogilvy & Mather, Publicis und Saatchi & Saatchi.

Noch vor fünf Jahren galt das südliche Ostend trotz seiner Lage in der Nähe des Mains nicht als eines der beliebtesten Frankfurter Wohnviertel, da mit dieser Lage noch zu sehr die Erinnerungen an den alten Industriestandort verbunden warn.

Inzwischen hat sich das grundlegend geändert. Mit den neuen Wohnungen entlang der Weseler Werft, die früher der Lagerplatz für Sand und Kies war, wurde das Ostend zu einer der interessantesten und beliebtesten Wohngegenden Frankfurts. Das gilt auch für das Gelände des Landwirtschaftlichen Vereins, auf dem bis vor dem zweiten Weltkrieg noch Pferde versteigert wurden.

Die Hanauer Landstraße, die von Autohäusern und Möbelgeschäften geprägte ist, wurde zur gefragten Adresse und Szene Ausgehmeile. Neben Clubs und Bars haben sich dort in den vergangenen Jahren zahlreiche Internetfirmen und Galerien niedergelassen.

Und im Sandweg ist die beispielhafte Sanierung und Umwandlung eines Fabrikgebäudes für ein modernes und innovatives Unternehmen zu sehen. Wo bis 1997 Arzneimittel hergestellt wurden arbeiten jetzt rund 250 Programmierer und Systementwickler der „Innovative Software AG.“

Einer der „Leuchttürme der zeitgenössischen Kultur,“ das Ensemble Modern, und die Junge Deutsche Philharmonie residieren und üben im Ostend.

In diesem Stadtteil ist der Zoo zu hause, die Mousonfabrik, eine Vielzahl junger Galerien wie auch des Fritz-Remond-Theater oder die Romanfabrik.


Historische Krananlage an der Weseler Werft

In Etwa 15 Minuten kann man vom Römer aus auch jenseits der Flößerbrücke bis zur Großmarkthalle laufen und auf der Bastion unter den denkmalgeschützten Kränen der früheren Schiffsentladeanlagen Cafe Trinken. Dieser Spazierweg bietet nicht nur Erholung, sondern auch ein spannendes Kapitel Frankfurter Architekturgeschichte vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert.


Beleuchtungsprobe für die geplante Beleuchtung der Weseler Werft